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  • Cannon — Cannon heißt eigentlich Lucy und ist das absolute Gegenteil einer Kanone: Stets zurückhaltend, stoisch und passiv, ist sie dafür bekannt, in der Restaurantküche, in der sie als Köchin arbeitet, nie die Beherrschung zu verlieren. Doch in ihr sieht es anders aus: Sie kämpft mit ihrer psychischen Gesundheit und versucht, durch Joggen zu Achtsamkeits-Podcasts Trost zu finden. Zudem muss sie sich mit der Pflege ihres gebrechlichen tyrannischen Großvaters auseinandersetzen und leidet unter ihrer emotional distanzierten Mutter. Cannon fällt es schwer, Grenzen zu setzen, sowohl in ihrer aufkeimenden Romanze mit Charlotte als auch in ihrer angespannten Freundschaft mit der selbstherrlichen Trish: In der Highschool waren die beiden queeren chinesischen Außenseiterinnen füreinander die Rettungsleine, inzwischen sind ihre wöchentlichen Treffen nur noch Anlass für Trish, Klatsch und Geschichten über sexuelle Abenteuer abzuladen und Cannons Familiendrama heimlich als Vorlage für ihr Schreiben zu nutzen. Lee Lais facettenreiche Geschichte fängt das Lebensgefühl zweier queerer Mitzwanzigerinnen mit einem scharfen Sinn für Humor ein. "Cannon" ist ein sensibler wie spannender Comic, der auch wehtut. We acknowledge the support of the Canada Council for the Arts.
  • Das Buch Genesis — Robert Crumb, der Schöpfer von "Fritz the Cat" und "Mr. Natural" und Ikone der amerikanischen Underground Comix, ist bis heute ein kontroverser Künstler, der sowohl seine eigenen als auch die gesellschaftlichen Abgründe schonungslos offengelegt hat. Charakteristisch ist auch sein kräftiger Strich, durch den er zu einem der stilprägendsten Illustratoren und Comiczeichner schlechthin wurde, dessen Arbeiten sogar im New Yorker Museum of Modern Art ausgestellt wurden. Die Genesis ist ein für Robert Crumb auf den ersten Blick ungewöhnliches Thema: 2009 in englischer Sprache erschienen, adaptiert er das erste Buch Mose in einer ebenso direkten wie schnörkellosen Art, dabei stets bildgewaltig und seinem eigenen Strich verpflichtet. Von der Erschaffung der Welt bis hin zu Jakob und Joseph präsentiert uns Crumb seine Version der christlichen Schöpfungsgeschichte. Angesichts von Crumbs bisherigem Werk und seiner erklärten Ablehnung der Religion gingen viele bei der Ankündigung des Buches davon aus, es handele sich um eine Satire oder eine Persiflage. Ohne jede ironische Brechung jedoch zeichnet Crumb, was in der Schöpfungsgeschichte geschildert wird. Darstellungen von Sex sind explizit, aber nicht unnötig. In seiner Einleitung schreibt Crumb, er habe "jedes Wort des Originaltextes originalgetreu wiedergegeben"."Wegen der sprachlichen Kargheit und Kürze der Episoden vergisst man nur allzu leicht immer wieder, was für große menschliche Tragödien aus List, Hass, Liebe und Lust in dem sogenannten Buch der Bücher enthalten sind. Durch Crumbs Illustrationen entfalten sie nun ihre volle Wucht. Wo es ihm früher darum gegangen sein mag, durch subversiven Witz Augen zu öffnen, schmeichelt er ihnen hier mit bewundernswert genau recherchierten und präzise ausgeführten Details." – Thomas V. Steinaecker, taz “Robert Crumb ist in der Comicwelt der Allergrößte, eine Legende, nicht mehr und nicht weniger, Ende der Diskussion, ich dulde keinen Widerspruch, setzen!” – Ralf König
  • Drifting — Als Annie in eine Wohngemeinschaft zieht, wird ihr schnell klar, dass einer ihrer neuen Mitbewohner:innen eine seltsame Angewohnheit hat, die für allerlei Konflikte sorgt. Er entzieht sich Auseinandersetzungen, indem er einfach aus dem Fenster steigt und in den Himmel schwebt. Als die Situation sich zuspitzt, beschließt Annie, der Sache auf den Grund zu gehen – und sich damit ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen. Mit ihrem Debüt bei Reprodukt beleuchtet Madita Schwenke die alltägliche Kunst des Ausweichens – den Wunsch, Konfrontationen und Verantwortung zu umgehen. Mit feinem Gespür übersetzt die Hamburger Zeichnerin dieses Thema in ganz eigene und einprägsame Bilder. Ursprünglich für die amerikanische ShortBox Comic Fair als digitale Produktion entstanden, freuen wir uns nun darüber, den deutschsprachigen Leser:innen "Drifting" als Buch zugänglich zu machen.
  • From Hell — "Ich habe keine Geschichte über Jack the Ripper geschrieben, ich habe über unsere Besessenheit von Jack the Ripper geschrieben." – Alan Moore 1888 ermordet ein bis heute unbekannter Täter fünf Sexarbeiterinnen im Londoner Stadtteil Whitechapel. Es sind Morde von aufsehenerregender Grausamkeit: Die fünf Frauen aus ärmlichsten Verhältnissen werden brutal verstümmelt. Die Identität des Mörders gibt ebenso wie seine Motive bis heute Anlass zu Spekulationen – das Pseudonym jedoch, unter dem er bekannt wurde, wirkt vom ersten Moment wie ein Sinnbild des Schreckens: Jack the Ripper. 1988 begann Alan Moore seine Version der Geschichte zu erzählen. Zehn Jahre sollten er und der Zeichner Eddie Campbell an "From Hell" arbeiten, das mehr ist als eine bildgewaltige Interpretation der Ereignisse in Whitechapel. Auf 600 Seiten schildern sie, wie reale Verbrechen, Verschwörungstheorien und ein bis dahin ungekannter Medienrummel für eine wahre Massenparanoia im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts sorgen. "From Hell" gilt zur Recht als Meisterwerk und Höhepunkt im Schaffen des großen englischen Autors Alan Moore. Selten waren Comics komplexer, sachkundiger und bei alledem: spannender! Reprodukt legt das monumentale Sittenbild des viktorianischen Zeitalters erstmals in einer handgeletterten Ausgabe vor. "In seinem opus magnum erzählt Moore mit der Akribie eines Historikers und dem Erfindungsreichtum eines Romanciers." – Stern "Wie der Mörder, dessen Taten nicht die eines Psychopathen sind, sondern eine kontrollierte Kälte ausstrahlen, arbeiten auch Moore und Campbell mit dem Skalpell, um Bild und Wort, belegte Tatsachen und Interpretationen zur unerbittlichen Autopsie einer Gesellschaft zusammenzufügen." – Neue Zürcher Zeitung
  • Gaza 1956 — Während der Suezkrise 1956 besetzte die israelische Armee den damals schon mehrheitlich von palästinensischen Flüchtlingen bewohnten Gazastreifen und tötete dort Hunderte von Menschen. Der Weltpresse waren diese Massaker nur eine Fußnote wert, und auch in den meisten Geschichtsbüchern tauchten sie nicht auf. Fast 50 Jahre später stieß Joe Sacco in einem UNO-Archiv auf ein Dokument, in dem jene Ereignisse erwähnt werden, die die Betroffenen traumatisierten und den Nahostkonflikt befeuerten. Er ging dieser "Fußnote" nach: Für "Gaza 1956" interviewte er überlebende Zeugen und setzte deren Aussagen in ein eindrückliches Gedächtnisbuch um. Unstimmigkeiten und Abweichungen von bisher Gehörtem unterschlägt er dabei nicht, sondern mutet sie seinen Leser:innen bewusst zu. So eröffnet Joe Saccos Geschichtsschreibung den Zugang zu einem kollektiven palästinensischen Gedächtnis, dessen Grenzen zwischen Fakten und Fiktion durchlässig sind, weil es aus dem Erzählen, Aufnehmen und Aneignen von Erinnerungen hervorgegangen ist. Mit "Gaza 1956" hat Joe Sacco ein dunkles Kapitel der israelischpalästinensischen Geschichte wieder ans Licht geholt, das bis heute nachwirkt. "Joe Sacco gelingt es in 'Gaza 1956 'auf faszinierende Weise, die großen und kleinen Linien des Nahostkonfliktes grafisch zu durchlaufen." – Thomas Hummitzsch, Der Tagesspiegel
  • Gift — Bremen 1831. Den Auftrag im Gepäck, eine Reisebeschreibung über die Hansestadt zu verfassen, trifft eine junge Schriftstellerin an der Weser ein. Doch ihr schlägt eine Atmosphäre des Misstrauens entgegen, denn die Stadt kennt dieser Tage nur ein Thema: die unmittelbar bevorstehende Hinrichtung der mehrfachen Giftmörderin Gesche Gottfried. Ungewollt verbindet sich das Schicksal der jungen Frau mit dem der Gesche Gottfried… Im März 1828 wurde in Bremen ein Kriminalfall aufgedeckt, der die Stadt erschüttern sollte. Bereits in den ersten Verhören gestand die 43-jährige Gesche Margarethe Gottfried, von 1813 bis 1827 fünfzehn Menschen vergiftet zu haben, darunter ihre Ehemänner, ihre Eltern und ihre Kinder. Ausgehend von diesem historischen Drama entwickeln Peer Meter (Szenario) und Barbara Yelin (Zeichnungen) eine Geschichte voller Spannung und Intensität. “Völlig zu Recht ist ‘Gift’ als bester deutscher Comic für den Max-und-Moritz-Preis nominiert worden, der beim Internationalen Comic-Salon in Erlangen verliehen wird. Werke wie diese zeigen, dass der ambitionierte Geschichtscomic – mit Verspätung – auch in Deutschland angekommen ist.” – Katja Lüthge, Die Zeit “Barbara Yelins eindringliche Bilder kommen seitenweise ohne Text aus, sie versteht es, mithilfe vieler Verwischungen und Schraffuren eine Atmosphäre universalen Grusels heraufzubeschwören. Papier, Bleistift und Radiergummi, mehr brauchte sie dafür nicht. Und Bremen, Stadt der Schatten, bekommt in diesem herrlich morbiden Panorama genau die Mörderin, die es verdient.” – Brigitte Preissler, Die Welt
  • Kreaturen — Bianca Bagnarelli beschenkt uns mit 13 Kurzgeschichten zum Staunen, die an Raymond Carver, Alice Munro oder Flannery O’Connor erinnern. Es sind Geschichten von den stillen Bedrohungen, die unsere Komfortzonen erschüttern, von den großen Kompromissen und den kleinen Grausamkeiten, die uns prägen, von der Einsamkeit, die sich in den Zwischenräumen des gesellschaftlichen Lebens eingenistet hat, und von den schwer fassbaren Nuancen der Gefühle. Es sind kleine Geschichten, die ein Leben verändern können, Geschichten von Momenten alltäglicher Seltsamkeit oder tröstlicher Routine, die zum Nachdenken darüber anregen, wie wir in der Welt stehen und mit den Menschen um uns herum in Beziehung treten. Die klare Eleganz ihrer Zeichnungen und ihre souveräne Beherrschung der kurzen Form machen Bianca Bagnarelli zu einer der spannendsten Stimmen des zeitgenössischen Comics. "Kreaturen" offenbart nicht nur eine geniale Künstlerin, sondern auch eine neue große Erzählerin auf der internationalen Bühne.

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